
Warum Führung und Aufsicht sich mit KI beschäftigen müssen
Für mich gehört künstliche Intelligenz heute auf die Agenda jeder Unternehmensleitung und jedes Aufsichtsrats. Unabhängig davon, ob wir über ein Immobilienunternehmen, einen Produktionsbetrieb, eine Beratungsgesellschaft oder eine öffentliche Einrichtung sprechen. Auch das Alter der Menschen, die dort Verantwortung tragen, spielt dabei keine Rolle.
Für mich ist der Umgang mit KI eng mit guter Unternehmensführung verbunden. Wer ihren Einsatz steuern oder überwachen soll, braucht ein fundiertes Verständnis ihrer Möglichkeiten und Grenzen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, bisherige Abläufe und Kontrollen neu zu prüfen.
Die Chancen verdienen unsere Aufmerksamkeit
Ich sehe in KI viele Möglichkeiten, die Arbeit im Unternehmen zu verbessern. Dokumente lassen sich schneller auswerten, Informationen leichter zusammenführen und erste Entwürfe für Berichte erstellen. Im Rechnungswesen, im Controlling oder im Immobilienmanagement kann das helfen, Routinearbeit zu reduzieren und mehr Zeit für die fachliche Prüfung zu gewinnen.
Solche Anwendungen sind für mich ein guter Ausgangspunkt. Welcher Prozess kostet viel Zeit? Welche Informationen fehlen für eine Entscheidung? Wo kann KI einen nachvollziehbaren Beitrag leisten? Der Nutzen muss zum Unternehmen passen und sich im Arbeitsalltag zeigen.
Die Risiken gehören genauso in die Diskussion
Eine KI-Antwort kann überzeugend klingen und trotzdem falsch sein. Werden solche Ergebnisse ungeprüft übernommen, können Fehler in Berichte, Kundeninformationen oder Entscheidungen gelangen. Ebenso kritisch ist der Umgang mit vertraulichen Daten. Mitarbeitende brauchen klare Vorgaben dazu, welche Informationen sie in welche Systeme eingeben dürfen.
Hinzu kommen Fragen der Nachvollziehbarkeit, der Abhängigkeit von Anbietern und der Kontrolle automatisierter Abläufe. Je mehr ein System selbst ausführen darf, desto genauer müssen Berechtigungen und Freigaben geregelt sein. Chancen und Risiken lassen sich dabei nicht einfach gegeneinander abzählen. Entscheidend ist, beides für den jeweiligen Einsatz ernsthaft zu bewerten.
Was die Geschäftsleitung klären muss
Die Geschäftsleitung muss entscheiden, welche Ziele mit KI verfolgt werden, welche Anwendungen sinnvoll sind und wer dafür zuständig ist. Dazu gehören geeignete Daten, Schulungen, Kontrollen und ein Verfahren für Fehler oder Zweifelsfälle. Bestehende Abläufe im Risikomanagement und im internen Kontrollsystem sollten dabei mit betrachtet werden.
Die technische Umsetzung kann und soll bei Fachleuten liegen. Führung muss aber verstehen, was sich durch den Einsatz verändert. Ein regelmäßiger Austausch mit IT, Fachbereichen und den zuständigen Kontrollfunktionen hilft, Probleme früh zu erkennen. Eine einmalige Präsentation eines neuen Tools reicht dafür aus meiner Sicht nicht aus.
Was ein Aufsichtsrat fragen sollte
Der Aufsichtsrat begleitet und überwacht die Geschäftsleitung. Damit er das beim Thema KI sachkundig tun kann, braucht er verständliche Informationen über Strategie, Anwendungen, Nutzen und Risiken. Deshalb halte ich regelmäßige Weiterbildung und passende Kompetenzen im Gremium für unverzichtbar.
Ich würde in der Diskussion ganz praktisch beginnen: Wo wird KI bereits genutzt? Welche Anwendungen sind freigegeben? Wie werden Ergebnisse geprüft? Welche Probleme sind aufgetreten? Und wie erfahren Geschäftsleitung und Aufsichtsrat davon? Solche Fragen bringen uns näher an die tatsächliche Nutzung im Unternehmen als eine allgemeine Diskussion über die Zukunft der Technologie.
Das Alter ist kein Maßstab für KI Kompetenz
Mit 64 beschäftige ich mich selbst intensiv mit KI und habe mich zum KI-Manager weitergebildet. Für mich ergänzt dieses Wissen meine Erfahrung in Finance, Unternehmensführung und Governance. Erfahrung hilft, wirtschaftliche Zusammenhänge und Folgen von Entscheidungen einzuschätzen. Neue Technologien muss ich trotzdem kennenlernen.
Das gilt auch für jüngere Menschen. Wer ein KI-Tool häufig nutzt, versteht damit noch nicht automatisch dessen Risiken im Unternehmen. Wir brauchen deshalb Weiterbildung, die zu den Aufgaben der jeweiligen Person passt. Geschäftsleitungen und Aufsichtsräte müssen keine Modelle programmieren können. Sie müssen deren Einsatz so weit verstehen, dass sie fundiert entscheiden und kritisch nachfragen können.
Wie ich den Einstieg gestalten würde
Ich würde zunächst gemeinsam mit den Beteiligten klären, welche KI-Anwendungen bereits im Einsatz sind und welche Erfahrungen damit vorliegen. Darauf aufbauend lässt sich eine Schulung gestalten, die konkrete Beispiele aus dem Unternehmen aufgreift. Anschließend sollten wenige geeignete Anwendungen ausgewählt und unter klaren Bedingungen erprobt werden.
Schon vor dem Start müssen Zuständigkeiten, zulässige Daten, Prüfschritte und Grenzen feststehen. Nach der Erprobung sollte offen ausgewertet werden: Was hat wirklich geholfen? Wo mussten Ergebnisse korrigiert werden? Ist der Aufwand insgesamt gesunken? Was müssen wir ändern? Diese Erkenntnisse gehören regelmäßig in die Diskussion der Führung und, soweit für seine Aufgaben relevant, des Aufsichtsrats.
Ich wünsche mir einen neugierigen und zugleich kritischen Umgang mit KI. Wer Verantwortung trägt, sollte sich die Zeit nehmen, sie zu verstehen. So entstehen bessere Voraussetzungen dafür, ihren Nutzen zu erschließen und mit ihren Risiken verantwortungsvoll umzugehen.
(Das Bild ist KI generiert)